Mittwoch, 13. Dezember 2017

ROBIN HOOD

12.12.2017

Martina

Nachdem wir nur noch 50 Kilometer von Picton entfernt sind, und erst in zwei Tagen unsere Fähre gebucht ist, haben wir sehr viel Zeit. Zeit, um endlich wieder Muscheln und Schnecken zu finden.


Wir stoppen an jedem Strand der Ostküste, aber es ist nichts zu finden. Eine enge Bergstrasse führt uns immer weiter  Richtung Norden, bis wir unser Tagesziel in der Robin Hood Bay erreichen.


Am Strand stehen gerade zwei Herren mit ihrem kleinen Motorboot, wir plaudern kurz und sie erzählen mir, dass sie hinausfahren, um Lobster und Krebse zu fangen. Ich bitte sie uns ihren Fang im Anschluss zu zeigen, damit ich ein paar nette Fotos machen kann. Mit einem kurzen "no problem" verabschieden wir uns.

Babsi´s erster Weg ist nun auch schon der Strand, denn ich habe sie erfolgreich mit meiner Muschelsucht angesteckt. Das freut mich natürlich, wobei es aber auch den großen Nachteil hat, dass sie mir die schönsten Muscheln vor meinen Augen wegschnappt. Sie findet eine Paua Schnecke, ein Prachtexemplar inmitten eines Haufen Schwemmholzes.

Ich finde leider keine, und so gehen wir zum Camper zurück. Die Sandflies sind leider auch hier unerträglich und so müssen wir uns sehr früh in unseren erfolgreich vergasten Jucy zurückziehen. Wenig später ruft Babsi, dass die beiden Männer hier sind und uns ihre Fänge zeigen. Sie haben einige Lobster und 3 große lebende Paua Schnecken in der Kühlbox.



Sie fragen mich, ob wir eine wollen, ich bin natürlich sehr interessiert und auf die Frage, ob wir auch das Schneckenfleisch wollen, weil es angeblich sehr gut und teuer ist, antworte ich zuerst mit einem nein. Erst durch ihr erstauntes Gesicht frage ich einmal, wie man die überhaupt zubereitet. Sie erklären mir alles und lösen mir auch das Schneckenfleisch von der Schale. Der Fischer schneidet noch einige kleine Teile weg und dann ist sie kochfertig. Dankend nehmen wir an und bekommen auch das wunderschöne Schneckenhaus. Das ist eigentlich verboten, denn man darf die Schnecke und das Schneckenhaus weder verkaufen noch verschenken.


Geschmeckt hat die Schnecke jedenfalls gut.


Ich bin sehr froh, dass mein "Robin Hood" für mich ausnahmsweise das Gesetz gebrochen hat.

Folgende Beschreibung fand ich im Internet:

Perlmutt und Paua Abalone aus dem Pazifik.

Perlmutt- Wer kennt es nicht, dieses einmalige organische Material mit seinen herrlich irisierenden Schichten.
Dieser wertvolle Schatz aus den Tiefen der Ozeane mit seiner wunderbaren Bezeichnung Mother of Pearl, die Mutter der Perle (Perlmutter), aus dem sich das Wort Perlmutt entwickelte, hat die Menschheit seit je her fasziniert.


Oder das neuseeländische Seeohr (Gattung Haliotis iris), welches man auch Abalone nennt, das wiederum in der Kultur der Maori als Paua bezeichnet wird und überhaupt als eine der farbenprächtigsten Meeresschnecken auf dieser Welt gilt

Montag, 11. Dezember 2017

DER KREIS IST GESCHLOSSEN

11.12.2017

Florian

Wir übernachten wieder in Murchison - unser Kreis auf der Südinsel ist damit geschlossen. Einige Kilometer fahren wir die Straße, die wir vor drei Wochen gekommen sind, doch dann biegen wir nach Osten ab Richtung Blenheim. Die Straße führt durch schöne Waldgegenden einen Fluss entlang zur Wasserscheide.



Danach gehts bergab und das Land breitet sich aus,


großflächige Aufforstungen


und dann Wein. Wir sind in Marlborough County, die Weinregion von Neuseeland. Und bald sehen wir die riesigen Weingärten - nicht Hektar sondern Quadratkilometer!



Wir besuchen einen kleinen Weinbauern, Familie Huia - nur 32 Hektar groß, dafür Bio. Die Tochter des Hauses - Sophie - lässt uns Weine verkosten - von Pino Gris über Pino Blanc und Riesling bis Chardonnay und Gewürztraminer; alles 12,5 - 13 % Alkohol und eher trocken. Für meinen Geschmack ein bisschen schwer für Weißwein, aber natürlich erstehen wir eine Flasche. Sophie meint sie sind ein winziger Weinbaubetrieb, seit 1996 im Geschäft.


Der größte Betrieb in der Region hat mehr als 400 Hektar Weingärten. Wein ist hier jedenfalls eine eher exklusive Geschichte und hat nichts mit unseren bodenständigen Heurigen zu tun, sondern mehr mit den Chateaus in Frankreich - die Preise sind entsprechend.

Weiter gehts nach Blenheim, die Provinzhauptstadt - nett aber ohne Flair, dafür viele Geschäfte.



Wir füllen unsere Vorräte auf und suchen uns einen Campingplatz an der Küste.


Martina hat schon Entzugserscheinungen mangels Muscheln und Schnecken an der Westküste. Leider hat sie auch hier an der Ostküste kein Glück - sie findet keine Schätze am Strand - nur Sand mit ein paar Steinen - gut zum Laufen; wenigstens einer ist glücklich!


FOX RIVER SUNDAY MARKET

10.12.2017

Barbara

Nach einer regnerischen Nacht in Punakaiki wachen wir wieder mit Sonnenstrahlen auf. Unser Wetterglück ist somit zurück. Wir machen uns auf den Weg und müssen gar nicht lange fahren, als wir ein Schild „Fox River Sunday Market“ entdecken. Wir halten an und sind gleich begeistert. Die Livemusik wird von Andy gespielt, mit dem Florian auch schon bald ins Gespräch kommt. Und ehe wir uns versehen, steht Florian bereits mit der Gitarre auf der Bühne und übernimmt die musikalische Unterhaltung. Die Leute auf dem Markt sind begeistert und die Stimmung ist super.




Nachdem Florian ein paar Lieder gespielt hat, sehen wir uns den Markt genauer an. Es werden hauptsächlich regionale, selbstgemachte Produkte um einen Spitzenpreis verkauft. Martina lernt von einer sehr netten Verkäuferin neue Knüpfarten für Schmuck und Florian probiert zum ersten Mal Whitebait, eine Neuseeländische Spezialität, die aus einem Omelett mit kleinen Fischen auf Toast besteht. Diese sind aber noch Fischlarven und bevor sie ins Süßwasser schwimmen, um sich zu entwickeln, werden sie gefangen.



Wir genießen die ländliche Sonntagsmarktatmosphäre. Schließlich setzen wir unsere Fahrt fort und kommen nach Murchison zu einem Campingplatz, auf dem wir schon zu Beginn unserer Reise gestanden sind und damals schon sehr zufrieden waren. Jetzt ist es natürlich nicht anders und wir genießen einen Abend mit gutem Essen, Kartenspielen und etwas weniger Sandflies. 

3 ÜBERRASCHUNGEN

10.12.2017

Martina

Der Himmel ist wolkenverhangen, es ist windig und alles ist grau in grau. Für uns der erste Tag in Neuseeland mit schlechterem Wetter. Das macht uns nichts aus, denn für heute ist nichts besonderes geplant, außer Waschsalon suchen und weiter Richtung Norden fahren.


Unser erstes Ziel ist Hokitika und wir werden mit einer "Christmas Parade" überrascht. Die Einheimischen fahren mit ihren geschmückten Autos über die Hauptstrasse von Hokitika. Inzwischen wäscht unsere Wäsche im Waschsalon und dann geht es für uns weiter nach Greymouth.



Dort wartet auch schon die zweite Überraschung auf uns. Ein örtlicher Holzfällerwettbewerb gibt uns einen kraftvollen Ausblick auf die Muskeln der Herren und auch einer Holzfällerin.



Die dritte Überraschung finden wir in Punakaiki. Im Führer wird von Pancakefelsen geschrieben, wir erwarten uns nicht viel, und sind umso überraschter, welch außergewöhnliche Felsformationen hier vorzufinden sind.





In tausenden von Jahren hat die Gewalt des Meeres die Kalksteinfelsen in die Pancakerocks verwandelt - ein Winder der Natur; imposant, erstaunlich und beeindruckend, wir sind begeistert.

Am Abend kocht Babsi für uns Krautfleckerl, uns gehts wirklich gut!!!


Sonntag, 10. Dezember 2017

BALSAM FÜR DIE SEELE

08.12.2017

Florian

Wir kommen ja aus einem sehr kleinen Land – Österreich. Zwar hat die Welt Österreich zwei Weltkriege zu verdanken, aber wir haben leider keinen der beiden gewonnen – blöd auch. Nun ja und nun treffen wir am Ende der Welt auf den Franz Josef Gletscher - benannt nach unserem vorletzten Kaiser Franz Joseph I. (dem wir den ersten Weltkrieg zu verdanken haben). Und nicht verwunderlich begegnen wir am Fuße des Gletschers 5 andere Österreicher – in Summe sind wir also 8 Österreicher und stellen somit etwa 30 % der anwesenden Touristen – und das in Neuseeland! Hier kennt jeder Österreich und verwechselt Austria nicht mit Australia; hier ist ein Österreicher also ein bisschen berühmt – Balsam für die kleine österreichische Seele.


Der Franz Josef Gletscher reicht bis auf 300 m üdM hinunter und liegt auf 43°30´S also doch relativ nah am Äquator. Zum Vergleich: auf etwa 43°30´N liegt Ancona/It – also ganz erstaunlich, dass hier überhaupt einen Gletscher existieren kann (er schrumpft aber eh jedes Jahr dramatisch).


Der Gletscher wurde 1865 vom deutschen Entdecker Julius von Haast nach unserem alten Kaiser benannt.


Wir schwelgen noch ein wenig in unserer Berühmtheit doch dann geht´s weiter nach Norden. Unser  nächster Stopp ist in Ross, bekannt durch seine Goldvorkommen. Hier war einer der Hauptorte der neuseeländischen Goldrauschzeit. Allerdings gibt es auch heute noch einen offenbar lukrativen Goldabbau. Wir spazieren den Water Race Walk und besichtigen alte Bergbaueinrichtungen – Gold finden wir leider nicht, obwohl ich sehr genau schaue – so goldreich dürfte es hier dann doch wieder nicht sein.

Alter Stollen

Goldgräberhütte

Das alte Gefängnis


Schließlich fallen wir zwecks Stärkung im Empire Hotel ein; ein Relikt aus Goldgräberzeiten.


Beim Betreten fühlt man sich sofort hundert Jahre zurückversetzt.



Zufällig ist heute Burger Night und ich bekomme den besten Burger – „The Works“ - den ich je gegessen habe (sogar noch besser als jener in Niue und kostet einen Bruchteil); ein riesiges kulinarisches Kunstwerk, und das Bier hier ist auch hervorragend nach einem harten Tag als Goldgräber.


Es gibt auch Gitarre, Ukulele, Klavier, etc. sodass ich ein bisschen in die Tasten bzw. Saiten greifen kann.



Und weil´s hier so super ist bleiben wir gleich über Nacht, denn das Hotel führt auch gleich einen Campingplatz nebenan. Ross – eine Reise wert! Und wer sich beruflich neu orientieren möchte: das Hotel steht zum Verkauf.


Freitag, 8. Dezember 2017

ANGRIFF

7.12.2017

Martina

Unsere Nacht am Ende der Welt, in der Jackson Bay, ist nicht ohne Folgen geblieben. Hunderte blutsaugende Sandflies haben wir mittels Insektenspray vor dem schlafengehen erledigt. Alle Fenster sind fest verschlossen und nur zwei kleine Schiebefenster mit Gelsengitter lassen wir offen. Trotzdem martern uns diese kleinen Quälgeister die ganze Nacht, leider entdecken wir erst in der Früh, dass die Gelsengitter am Rand gebrochen sind und somit ein Schlupfloch geblieben ist. Babsi ist die Ärmste, weil die Blutsauger junges Blut am liebsten haben.


In der Früh reicht es uns, und wir fahren ohne Frühstück zu einem Sandstrand 30 Kilometer nördlich von unserem Übernachtungsplatz. Kilometerlanger Kiesstrand ohne Sandflies aber leider auch ohne Muscheln und Schnecken.


Der Höhepunkt des heutigen Tages ist der Foxgletscher. Wir stellen unseren Camper am Parkplatz ab und spazieren den 20 Minütigen Pfad Richtung Gletscher. Leider darf man ihn ohne Führer nicht betreten, und so ist 450 m davor Schluss. Dank meines Teleobjektives gelingen dann doch ein paar nette Bilder.




Hier treffen wir auf zwei junge Österreicher, mit denen wir dann noch gemeinsam zum Lake Matheson fahren. Ein 90 minütiger Rundwanderweg um den See mit einem Blick auf den höchsten Berg von Neuseeland, den Mt. Cook mit 3724 m und Mt. Tasman mit 3498 m. Zuerst sind die beiden Gipfel unter einer Wolke versteckt, aber nach einigen Minuten verziehen sich diese weißen Wattebäuschchen und sie erlauben uns einen freien Blick auf Mt. Tasman und einen kurzen Blick auf die Spitze des Mt. Cook.



Anschließend fahren wir noch bis zum Franz Josefs Gletscher, über den wir dann morgen berichten werden.